Bienenwachs
Bienenwachs – Entstehung, Eigenschaften und Verwendung
Bienenwachs ist ein äußerst wertvoller Naturstoff – nicht nur für die Bienen selbst, sondern auch für uns Menschen. Denn der von vielen Bienen produzierte Baustoff für die Waben lässt sich auch in der Kosmetik und im Haushalt verwenden. Besonders bekannt sind Kerzen, Pflegeprodukte und Bienenwachstücher. Es ist also durchaus sinnvoll, sich einmal näher mit den Besonderheiten und Verwendungsmöglichkeiten zu beschäftigen.
Inhalt:
- Wie entsteht Bienenwachs?
- Eigenschaften von Bienenwachs
- Die wichtigsten Verwendungsmöglichkeiten für Bienenwachs
- Hochwertiges Bienenwachs kaufen
Wie entsteht Bienenwachs?
Das Bienenwachs wird von den Honigbienen als Bausubstanz produziert und entsteht in drei Schritten: Zunächst wird das Wachs über acht Drüsen am Hinterleib der Biene „ausgeschwitzt“. Dabei wird ein winziges weißes Wachsplättchen geformt, das kleiner ist als ein Stecknadelkopf und etwa 0,8 Milligramm wiegt. Anschließend wird dieses Plättchen mit den Mundwerkzeugen der Biene bearbeitet, dabei mit Speichel vermengt und in die Wabe gepresst. Bereits hier gelangen zum Teil auch schon Blütenpollen und Propolis in das Bienenwachs. Der Großteil jedoch erst später im dritten Schritt mit der fortlaufenden Bearbeitung der Bienenwaben. Erst durch diese Zusätze bekommt das Wachs seine typisch gelbe Farbe.
Verantwortlich für die Produktion des Wachses sind vor allem die jungen Arbeiterbienen, denn im Alter zwischen 12 und 18 Tagen ist die Drüsenaktivität der Tiere am stärksten. Da das Wachs als Baustoff für den Bienenstock dient, wird es hauptsächlich während der Hochsaison vom April bis zum Juni erzeugt. Letztendlich findet hier eine biochemische Umwandlung statt: Aus Honig wird schließlich Wachs. Für die Wachsbildung brauchen die Bienen viel Energie. Wie viel Honig dafür verbraucht wird, hängt von den Bedingungen ab; eine feste Umrechnungszahl gibt es nicht. Macht man sich dann noch bewusst, wie viele Wachsplättchen und dementsprechend Arbeitsvorgänge der Bienen dahinterstecken, wird einmal mehr deutlich, wie wertvoll Bienenwachs eigentlich ist.

Honigbiene mit Wachsplättchen
Eigenschaften von Bienenwachs
Der eigentliche Wert von Bienenwachs zeigt sich nicht nur in der Herstellung, sondern auch in seinen Eigenschaften. Denn es ist …
• … wasserabweisend.
Wachs löst sich nicht in Wasser. Es kann Oberflächen beschichten und ist deshalb beispielsweise in Holzpflegeprodukten und in kosmetischen Rezepturen zu finden.
• … konsistenzgebend.
In Lippenbalsam oder Cremes trägt Bienenwachs dazu bei, dass die Mischung fester wird. Wie sich ein Pflegeprodukt auf der Haut verhält, hängt von seiner gesamten Rezeptur ab.
• … formbar.
Wird Wachs erhitzt, lässt es sich sehr leicht modellieren oder gar schmelzen und in eine neue Form gießen. Das ist besonders für die Anwendung zu Hause sehr praktisch – beispielsweise für die Herstellung von Bienenwachstüchern oder selbstgemachten Kerzen. In geeigneten erwärmten Fetten und Ölen lässt sich Wachs verarbeiten. Wie gut es sich mit einem Stoff mischt, hängt auch von der Temperatur ab.
Die Zusammensetzung von Bienenwachs ist mit rund 300 Inhaltsstoffen recht komplex. Hauptbestandteile sind verschiedene Kohlenwasserstoffe, Fettsäuren sowie chemische Verbindungen aus langkettigen Alkoholen und Säuren (sogenannte Ester). Seine gelbe Farbe entsteht unter anderem durch Pollenbestandteile, Drüsensekrete und Propolisanteile.
Der Schmelzpunkt von Bienenwachs liegt ungefähr zwischen 62 °C und 65 °C. Ab einer Temperatur von etwa 35 °C wird es weich und lässt sich so leicht in die gewünschte Form kneten.
Die wichtigsten Verwendungsmöglichkeiten für Bienenwachs
In seiner von der Natur vorgesehenen Verwendung dient das Wachs in erster Linie als Bausubstanz für den Bienenstock. In den Wabenzellen entwickelt sich die Bienenbrut. Andere Zellen dienen als Vorratsspeicher für Pollen und Honig. Da die Herstellung aber auch sehr viel Energie kostet und damit den Honigertrag schmälert, nehmen viele Imker den Bienen etwas Arbeit ab. Hierfür werden speziell angefertigte Mittelwände aus Bienenwachs in den Bienenstock eingesetzt, auf deren Wabenstruktur die Bienen aufbauen können. Das Wachs stammt in der Regel aus alten Waben, die durch die Imker regelmäßig (ca. alle 2 bis 3 Jahre) ausgetauscht werden. In einem Umarbeitungsverfahren wird es hygienisch gereinigt und anschließend in die neue Plattenform für die Mittelwände gegossen. Auch das sogenannte „Entdeckelungswachs“, das der Imker beim Öffnen der Waben während der Honigernte löst, wird auf diese Weise einer neuen Verwendung zugeführt.
Darüber hinaus gibt es dank der besonderen Eigenschaften von Bienenwachs zahlreiche Verwendungsmöglichkeiten dafür – in der Industrie und ebenso in der häuslichen Anwendung. Die wichtigsten sind:
Herstellung von echten Bienenwachskerzen
Bienenwachskerzen gehören zu den bekanntesten Anwendungen von Bienenwachs. Während viele herkömmliche Kerzen heute aus Paraffin oder Stearin bestehen, überzeugen echte Bienenwachskerzen durch ihren natürlichen Duft, ihre warme Farbe und ihre besondere Ausstrahlung. Selbstgemachte Kerzen lassen sich in unterschiedlichen Formen gießen oder aus Wachsplatten rollen.
Imprägnierung und Holzpflege
Bienenwachs eignet sich hervorragend, um verschiedene Materialien auf natürliche Weise zu schützen. Es kann beispielsweise zur Imprägnierung von Schuhen verwendet werden und hilft dabei, Oberflächen wasserabweisender zu machen. Auch für die Pflege von Holz ist Bienenwachs beliebt, da es eine schützende Schicht bildet und Möbeln oder anderen Holzprodukten einen schönen Glanz verleiht.
Kosmetik
Aufgrund seiner schützenden Eigenschaften wird Bienenwachs häufig in kosmetischen Produkten eingesetzt. Es findet sich unter anderem in Cremes, Lippenbalsam und Hautpflegeprodukten, da es die Haut mit einer natürlichen Schutzschicht versehen kann. Auch für selbstgemachte Pflegeprodukte ist Bienenwachs sehr beliebt, weil es einfach verarbeitet und mit anderen natürlichen Zutaten kombiniert werden kann.
Seife aus Bienenwachs
Bienenwachs kann auch bei der Herstellung von Seifen verwendet werden. Mithilfe von Bienenwachspastillen lassen sich individuelle Seifen für den eigenen Gebrauch oder als persönliches Geschenk herstellen. Das Wachs sorgt dabei für eine besondere Konsistenz und ergänzt die Seife um einen natürlichen Bestandteil. Selbstgemachte Bienenwachseifen sind eine schöne Möglichkeit, natürliche Pflegeprodukte selbst zu gestalten.
Bienenwachstücher
Bienenwachstücher können bestimmte Lebensmittel abdecken oder einwickeln. Beim Selbermachen müssen sowohl Stoff als auch Wachs für den Lebensmittelkontakt geeignet sein. Das BfR rät, kein Jojobaöl zuzusetzen und wiederverwendbare Tücher nicht für rohe tierische Lebensmittel zu benutzen. Sie lassen sich wegen des Wachses nicht heiß reinigen. Beachten Sie bei fertigen Tüchern die Verwendungshinweise des Herstellers.
• Hilfsmittel in der Lebensmittelproduktion
In der industriellen Lebensmittelproduktion wird Bienenwachs eingesetzt, um Süßigkeiten, Obst und andere Produkte mit einer dünnen Schutzschicht zu überziehen. Außerdem fungiert es als Trennmittel, zum Beispiel bei der Herstellung von Gummibärchen: Die Gussformen werden hier vorab mit Bienenwachs eingesprüht, damit sich die Gummibärchen später besser daraus lösen lassen.
Hochwertiges Bienenwachs kaufen
Bienenwachs bietet also zahlreiche Möglichkeiten für den industriellen und privaten Gebrauch. Für die jeweilige Verwendung ist die Qualität entscheidend. Das gilt besonders für die Anwendung im Bienenstock: Wird hier minderwertiges Wachs verwendet, beispielsweise mit Paraffin oder Stearin gestreckt oder durch Medikamentenrückstände verunreinigt, kann ein Bienenvolk im schlimmsten Fall auch daran sterben. Für die Auswahl zählen eine nachvollziehbare Herkunft, eine passende Qualität für den Verwendungszweck und aussagekräftige Prüfungen. Aus dem Herkunftsland allein lässt sich die Reinheit eines Wachses nicht ableiten. Umso wichtiger ist es, auf qualitätsbewusste Anbieter zu setzen, denen ihre Produkte und die Tiere wirklich am Herzen liegen. Eine gute Wahl sind meist die Imkereien selbst. So können Sie natürlich auch in unserem Shop naturreines Bienenwachs in Pastillenform kaufen.
Preis, Farbe und Kundenbewertungen ersetzen keine Prüfung auf Verfälschungen oder Rückstände. Fragen Sie im Zweifel nach der Herkunft und danach, worauf eine Probe untersucht wurde. Nicht jede Laboruntersuchung umfasst dieselben Stoffe.
Weitere Informationen: LWG Bayern: Bienenwachs und BfR: Bienenwachstücher.
Fachlich geprüft am 21. Oktober 2026.


